Wie sich die Klassiker in Weimar amüsierten

Noch heute erinnern Denkmäler an eine Zeit, die wohl die wichtigsten Jahre in der deutschen Literatur darstellen. Im ausgehenden 18. Jahrhundert hatten sich hier die Genies Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller niedergelassen. Es entwickelte sich eine Freundschaft, die aber, wie bei Genies zu erwarten, immer wieder auf eine harte Probe gestellt wurde.

Kartenspiel als Freizeitbeschäftigung

Beide Schriftsteller arbeiteten viel in Weimar, waren Teil des öffentlichen Lebens. Beide wurden maßgeblich von Herzogin Anna Amalia und ihrem Sohn Herzog Carl August gefördert. Die Adligen machten Weimar und damit Thüringen zum Zentrum der deutschen Literatur. Zu den Pflichten eines Schriftstellers gehörte die Anwesenheit bei Hofe. Manchmal gab es Konzerte, oft genug aber auch nur ein geselliges Beisammensein. Zu diesem gehörten immer Kartenspiele. Diese unterschieden sich noch sehr von jenen, die man heute in Online-Casinos von Herstellern wie Netent findet und bequem auf Smartphones spielen kann. Heute kann man überall, ob unterwegs oder gemütlich auf dem Sofa, Blackjack und Poker per Bildschirm spielen, früher brauchte es dafür noch echte Spieltische.

Schiller spielte Lomber

Eines der bekanntesten Spiele war Ombre, oft l’Hombre oder in Deutschland Lomber genannt. Man weiß, dass Friedrich Schiller Kartenspielen nicht abgeneigt war und Freude daran hatte. Goethe, der Feingeist, hielt sich eher zurück. Nur wenn es die Hofetikette verlangte, nahm er am Spieltisch Platz. Bei l’Hombre handelte es sich um ein sehr populäres und kompliziertes Spiel. Die schwarzen Asse waren Trümpfe in dem Set, dass aus 40 Karten bestand, dem sogenannten spanischen Deck. Am Anfang waren vier Spieler am Tisch, in Weimar wurde es aber mit drei Spielern durchgeführt. Lomber bildete die Grundlage für das Reizen im Skat. So wie man heute noch im Spielcasino spezielle Tische hat, gab es am Hofe der Herzogin Lomber-Tische, die kunstvoll verziert waren. Da man damals selten zu Hause spielte, waren Kartenspiele immer eine Gelegenheit, die Schriftsteller zusammenzubringen. Auch Herder soll ab und an zu diesen Veranstaltungen gekommen sein.